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L'articul sun la Weltwoche tla Svizra
scrit ai 08 February 2007 da les 22:38:33 da noeles

Grijon

 

Schweiz: Abstecher in faschistoides Weltbild

Die Förderung der Minderheitensprache ist in der Weltwoche wörtlich als "Unsinn" bezeichnet worden

Die Weltwoche, ein umstrittenes Blatt, leistete sich in ihrer Ausgabe Nr. 37/06 (14. September) einen Abstecher in ein faschistoides Weltbild. Rätoromanen, so das Titelthema; und wie die Rätoromanen seien, wird gleich im Untertitel zusammengefasst: „Anachronistisch, kryptisch, erpresserisch, exotisch, fanatisch, neurotisch, räuberisch“.  Eine gesamte Minderheit wird also kollektiv kriminalisiert. Der gesamte Artikel strotzt nicht nur vor sachlichen Fehlern, sondern ist ausnahmslos gehässig, rüpelhaft, primitiv - und rassistisch. Mit dem Hinweis auf die „Berufsromanen“ knüpft die Weltwoche direkt an jene Publikationen an, die von „Berufsjuden“ sprechen oder aber, in der benachbarten Alpenrepublik, von „Berufsslowenen“ (oder in Südtirol von „Berufsladinern“): Es ist die Anwendung eines rechtsradikalen Jargons.

Titul: Jäger, Räuber, Rätoromane. Die freche Minderheit der Schweiz. (Ciaciadours, ladrons, retoromans. La mendranza splueta dla Svizra).



D

 L'articul dla "Weltwoche"

ie Förderung der Minderheitensprache ist der Weltwoche ein Dorn im Auge und wird wörtlich als „Unsinn“ bezeichnet. Den Journalisten, der aus der Genugtuung über ein drohendes Verschwinden der Sprache keinen Hehl macht, stören vor allem die Subventionen für die Erhaltung der Sprache. Dabei übersieht er geflissentlich, dass die Institutionen für Sprache und Kultur bei den Mehrheiten weit höhere Beiträge einstreichen. Der Autor verschweigt, dass ganze Scharen von Menschen für die Weiterentwicklung, Pflege und Erhaltung der anderen Sprachen arbeiten - da nennt man es Kulturförderung. Bei der Minderheit ist es „Subvention“ für „Unsinn“.
Der Autor stellt sich in eine Reihe mit chauvinistischen Politikern wie Jörg Haider: Mit Futterneid versucht er, Ressentiments zu schüren. Was ihm indes doch nicht zu gelingen scheint. Denn eine dem Artikel gleich beigefügte Umfrage ergibt doch eine satte Mehrheit von über 80%, die sich für die Förderung des Rätoromanischen aussprechen. Die journalistische Hetze, der Hass und die Verachtung, die der Autor sät, findet - bislang - offenbar keinen fruchtbaren Boden. (mt) 

 

Da la " Weltwoche"

Ilanz retour

Von Urs Paul Engeler

Die besinnliche Reise eines Journalisten zu den aufgebrachten Rätoromanen, die den Subvenziuns-Kritiker als Rassisten verurteilt sehen wollen.

 
Seit dem 31. Januar stehe 2007 ich beim Berner Untersuchungsrichteramt unter dem Verdacht, ein Rassist zu sein – auch für einen Journalisten, der seit Jahren und systematisch, aber durchwegs erfolglos, mit juristischen Mitteln bekämpft und vor Militär- und andere Gerichte gezerrt wird, eine neue Dimension. Verfasst hat die Anzeige wegen Verstosses gegen die Anti-Rassismus-Strafnorm (Art. 261bis im Strafgesetzbuch) Dieter R. Marty, gebürtiger Thuner, Schwyzer Bürger, Präsident der Bündner Vereinigung für das Volkstheater (BVV) und Anwalt in Chur. Aktiv wurde er im Auftrag der Surselva Romontscha, die im Bündner CVP-Homeland das krümelnde Erbe der Oberländer Rätoromanen verwaltet. Theaterfreund Marty arbeitet mit den Honoraransätzen des Bündnerischen Anwaltsverbandes, zu 210 bis 270 Franken die Stunde, wie er schreibt, «bei Bemühungen in Strafsachen» jedoch mit Zuschlägen bis zum doppelten Tarif.

Wer bezahlt diese Strafaktion? Letztlich wohl der Unterländer Steuerzahler über die jährlichen Millionen-Subvenziuns an die Sprachgesellschaften. Aber das ist kein Thema in der Surselva, das ist Normalzustand.

Die Klage, wie ich noch nicht weiss, ist längst deponiert, als ich mich auf den Weg mache, um am 1. Februar in der Aula des Schulhauses Ilanz «in der Höhle der Löwen», wie die lokalen Medien seit Tagen schüren, meinen Artikel «Highlife im mausetoten Winkel» vom letzten September zu erklären und zu verteidigen. Vor dem Illusionstheater einer «Sessiun» im deutschsprachigen Flims – die Geräuschkulisse stellten herbeigekarrte «Voluntari» – hatte ich beschrieben und begründet, warum es unmöglich ist, eine isolierte Sprache, die noch 35 000 Menschen sprechen, mit Staatsgeld, symbolischen Akten und Gesetzen retten zu wollen. Die Reaktionen waren drei unterstützende und hundert negative bis grob beschimpfende oder direkt drohende Mails und Briefe: «Lass dich ja nie blicken in unsern schönen Tälern!» – «Wir wissen, wie du aussiehst!» – «Du hässliche Sau!» – «Es ist übrigens Jagdsaison hier!» Normalzustand in Bünden.

Man spricht Deutsch


Ich solle mich auf alles gefasst machen, raten mir besorgte Leute. Mir selbst ist nicht bange; ich trete auch zu Auswärtsspielen an. In der Rhätischen Bahn (RhB), kurz nach Reichenau-Tamins, macht die Lautsprecherdurchsage klar, dass ich in eine andere Welt einfahre: «Cars viagiaturs, il persunal dil tren dalla Viafier retica beneventa vus el territori romontsch.» Das rätoromanische Reservat ist allerdings recht relativ. In Ilanz/Glion, der «ersten Stadt am Rhein», sprachen laut Volkszählung im Jahr 2000 noch ganze 29,9 Prozent oder 744 der 2488 Einwohner Romanisch. Heute dürften es schon einige Dutzend weniger sein. In Gemeinden wie Vals, Hinterrhein oder Nufenen spricht man Deutsch, auch in Safien, das im Zug dennoch als «Stussavgia» angekündigt wird.

Glion bildet keine romanische Kampffront. Am Bahnhof steht nur das TV-Team von «Schweiz aktuell», das sich in Erwartung lokaler Aufgeregtheiten eingeschaltet hat. Es filmt, macht Interviews und meldet, die Stimmung sei gereizt. Zwei Begriffe im Vorspann des Artikels, der immerhin um die 2200 Wörter umfasst, haben mobilisiert: «räuberisch» und «erpresserisch». Beim Eingang weitere Kameras und Mikrofone; auch Tessiner Sender, die sich womöglich als nächste Opfer kritischer Betrachtungen zur Sprachenförderung fühlen, sind gekommen.

Die Diskussion wird auf Radio Grischa übertragen. Ein mittleres Raunen und Brummen füllt den Raum mit etwa 150 Zuhörern, als ich, der zum Inbegriff des üblen Täters stilisierte Journalist, aufs Podium steige. Dazu finstere, zum Teil feindliche Blicke. Damit die Diskussion nicht allein um die zwei isolierten Termini kreisen muss, habe ich fünfzig Exemplare der Weltwoche angeschleppt. Die Hefte sind rasch weg. Offenbar haben nicht alle, die sich empören, den Text auch wirklich gelesen.

Meine Gegner sind zwei Hohepriester des Romanischen: Vincent Augustin (CVP), Jurist, Kantonsrat und Präsident der Sprachförderorganisation Lia Rumantscha, und Martin Cabalzar (CVP), gescheiterter Bewerber um einen Regierungssitz, Co-Präsident des klageführenden Vereins Surselva Romontscha und Chefredaktor der subventionierten romanischen Tageszeitung La Quotidiana. Nach zwei Voten, die ich abgebe, sackt der emotionale Pegel im Saal arg ab. «Wie wenn einer die Luft rausgelassen hätte», bestätigt mir nach dem Gespräch ein Freund, der zufällig in der Nähe Ferien macht und die Kontroverse verfolgt.

Cabalzar holt mit Verbalattacken zwei, drei Applause. Augustin, der im Herbst in den Nationalrat einziehen will und die Bühne brauchen kann, surft eleganter durch die Mitte. Viel Wirkung erzielen sie beide nicht. Die Entschuldigung, die das Duo viermal ultimativ einfordert, kann ich ihnen nicht liefern. Nicht aus psychischen oder taktischen Gründen, wie Zeitungskommentatoren später mutmassen, sondern weil mein Artikel schlicht nicht entschuldigungspflichtig ist – und weil die Beschwerde beim Presserat und die Strafklage bereits eingereicht sind. Wer den juristischen Weg beschreitet, kann nicht noch ein öffentliches Buss- und Versöhnungsritual inszenieren. Medienwächter und Richter haben das Wort, nicht die Parteien.

Die Debatte verläuft gesittet bis zur letzten Wortmeldung. Die Medienschar ist leicht enttäuscht. Im nahen Restaurant sitzen Beschwerdeführer Andreas Cadonau, Redaktor bei Cabalzars La Quotidiana, und Claudia Cadruvi, die Journalistin der subventionierten Agentura da Novitads Rumantscha, mit andern Besuchern am Nebentisch. Man spricht, soweit ich es mitbekomme, deutsch.

«Ärgere Diebe als die Zigüner»


Am Tag danach: Auf den Sitzen des Erstklassabteils der RhB liegt La Quotidiana auf, gratis. Die Texte sind in der ungeliebten Kunstsprache Rumantsch Grischun abgefasst; die Inserate auf Deutsch. Die Gasetta hat sich zum aktuellen Streit etwas Originelles einfallen lassen und erforscht, warum die Bündner die Assoziation «räuberisch» wecken. Der oft zitierte Friedrich Schiller – «Dann reise ins Graubündnerland, ins Athen der heutigen Gauner», schrieb er im zweiten Akt der «Räuber» – ist nicht der Anfang der hartnäckigen Tradition. In seiner «Cosmografia» hatte bereits 1550 der Elsässer/Basler Sebastian Münster die Bündner als «ärgere Diebe als die Zigüner» bezeichnet. Dass die Einschätzung nicht von ungefähr kam, gesteht Friedrich Pieth in der «Istorgia grischuna» ein: Die Verhältnisse seien bis tief ins 18. Jahrhundert hinein desaströs gewesen. Ob die literarisch-historische Anspielung der Weltwoche heute die Menschenwürde einer Ethnie verletzt und rassistisch ist, entscheiden die Richter.

Interessanterweise unterbleibt im Zug vor Reichenau-Tamins der Hinweis an die Reisenden, dass sie wieder auf deutschsprachigem Territorium fahren. Man versteht, warum Deutschbündner auf www.sprachengesetz.ch von einer Diskriminierung der Mehrheit schreiben.

Zurück in Bern, treffe ich just auf einen Chefbeamten der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Er ereifert sich über die Art, wie die Bündner den Neuen Finanzausgleich (NFA) umgesetzt haben wollen. Eben hätten sie einen uralten Vertrag aus einer Schublade gezogen, der ihnen bei Bahnprojekten auf alle Zeit Sonderrechte (Subvenziuns von 92 Prozent) gewähre und den sie im seit Jahren laufenden politischen Prozess bewusst nie erwähnt hätten. «Beinahe erpresserisch» sei dies, schimpft der Beamte, ohne dass ich ihm das Stichwort geliefert hätte.

 
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Re: L'articul sun la Weltwoche tla Svizra (ponc: 1)
da MateoTaibon ai 08 February 2007 da les 23:27:20
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enjunta:

l'articul é gnü publiché tla revista pogrom/bedrohte Vöker n. 238 - 4/2006


http://www.gfbv.de/pogrom.php?id=39&stayInsideTree=1

o ince

http://www.gfbv.it/1presentazione/pogrom2006.html



Re: L'articul sun la Weltwoche tla Svizra (ponc: 1)
da MateoTaibon ai 08 February 2007 da les 23:28:21
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secunda enjunta:
le numer atual (gnü dan da dui dis fora dla stamparia) i é dediché ai ladins .


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