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Referat dl dr. Lois Trebo en gaujion di 100 agn Union Ladina
scrit ai 12 November 2005 da les 18:35:21 da noeles

Politica

 

"Reichen die Schutzmaßnahmen für die Ladiner? Meine Antwort ist ein klares Nein" 

100 Union Ladina a Dispruch - referat tegnù da dr. Lois Trebo

Vortrag von Dr. Lois Trebo aus Badia/Abtei anläßlich der Feier „ 100 Jahre Uniun Generela di Ladins dla Dolomites“ im Festsaal des Tiroler Landhauses in Desproch / Innsbruck am 10. November 2005.

Dr. Lois Trebo



Meine Sehr geehrten Damen und Herren !

 
Meine Aufgabe ist es, die Geschichte der Dolomitenladiner ab 1948 bis heute darzulegen. Es sei aber gleich angemerkt, daß sie in so kurzer Zeit nur in groben Zügen gestreift werden kann.

 

Geschichte der Dolomitenladiner seit 1948

Ich habe unter anderem die Frage zu beantworten, ob die erzielten Rechte für den Schutz der ladinischen Volksgruppe ausreichen oder braucht es zusätzliche Rechte und welche ?
 

a. Das Autonomiestatut des Jahres 1948

Wie allseits bekannt hat der Pariser Vertrag vom Jahre 1946 der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols eine Autonomie zugestanden, während die ladinische Bevölkerung trotz Einsatzes von Seiten Österreichs leer ausgegangen ist. Erst das Autonomiestatut des Jahres 1948 für die Region Trentino – Südtirol hat den Ladinern einige Rechte eingeräumt: die Verwendung der ladinischen Toponomastik, den muttersprachlichen Unterricht und das Recht, die ladinische Kultur und Tradition zu pflegen. Das Autonomiestatut war ja auf die gesamte Region ausgedehnt worden, obwohl es ursprünglich ja nur für Südtirol allein gedacht war. Die Regionalautonomie hätte somit auch den Fassaladinern dieselben Rechte wie den Ladinern Südtirols garantieren müssen. Mit einer Durchführungsbestimmung des Jahres 1951 hat dann die italienische Regierung klargestellt, daß es nur in Südtirol drei Volksgruppen gäbe – nämlich die deutsche, die italienische und die ladinische. Die Fassaladiner, die zwar in der gleichen Region leben, aber in der Provinz Trient, konnten somit nicht die gleichen Rechte in Anspruch nehmen wie die Ladiner Südtirols. Die Ladiner außerhalb Südtirols waren von Rom total ignoriert worden, man behandelte sie als wären sie reine Italiener. Während die Ladiner der beiden Täler Gadertal und Gröden im Jahre 1948 eine paritätische Schule bekamen, galt für die Fassaladiner nur die italienische Schule. Paritätische Schule bedeutet nämlich, daß die eine Hälfte der Fächer auf deutsch, die andere Hälfte auf italienisch unterrichtet werden; dazu kommen noch ein bis zwei Stunden Ladinischunterricht pro Woche.

 
Vom Autonomiestatut des Jahres 1948 sind die Ladiner Südtirols als Volksgruppe anerkannt worden und nur sie haben etwas davon profitiert. Für die Ladiner insgesamt war es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und vorwärts zu schauen. Ab dem Jahre 1949 erschien zunächst einmal und später zweimal im Monat die ladinischsprachige Zeitung NOS LADINS  ( Wir Ladiner). Sie verfolgte das Ziel, durch die Pflege der Muttersprache und des Brauchtums das Gewissen der Ladiner, ihre Identität und ihr Selbstbewußtsein zu fördern und zu stärken. Das gab den Dolomitenladinern mehr Mut und Einsatz, sich um die Rechte ihrer Volksgruppe zu kümmern. Im Jahre 1954 wurde in Ortijei/ St. Ulrich in Gröden die Cesa di Ladins erbaut; in dieser sind heute die Büros der Uniun Generela und der Redaktion der Wochenzeitung La Usc di Ladins untergebracht; im gleichen Haus konnten auch ein Theatersaal und eine ladinische Bibliothek eingerichtet werden. Im selben Gebäude ist das Museum de Gherdëina untergebracht und seit kurzem auch die Abt. über Luis Trenker.
 
Die Südtiroler waren im Regionalrat in der Minderheit, die Italianisierungspolitik in Südtirol wurde fortgesetzt, das Land Südtirol hatte in den 60- er Jahren kaum Kompetenzen. Die politischen Entscheidungen fielen in Trient und Rom. Das hatte die SVP dazu gebracht, die Zusammenarbeit mit Trient zu kündigen und seit der Kundgebung auf Schloß Sigmundkron 1957 eine schärfere Gangart gegenüber Rom einzuschlagen. Es folgte eine Welle von Sprengstoffanschlägen auf italienische Einrichtungen in Südtirol, zahlreiche Südtiroler wurden verhaftet und zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Internationalisierung der Frage Südtirol vor der UNO hatte Rom bewogen, die 19er Kommission zum Studium der Lage in Südtirol einzusetzen. Dieser gehörten Vertreter aller drei Sprachgruppen an, für die Ladiner Herr Franz Prugger aus Ortijei/St.Ulrich; 1964 waren die Vorschläge für einen besseren Schutz der Südtiroler auf den Tisch gelegt worden. Im gleichen Jahr 1964 war die neue Diözese Bozen / Brixen geschaffen worden; ohne vorherige Befragung der Bevölkerung hatte man die zwei ladinischen Dekanate Anpez und Fodom/Buchenstein von der Diözese Brixen an die von Belluno abgetreten. Eine jahrhundertelange Zugehörigkeit der beiden ladinischen Dekanate zu Brixen war mit einem Federstrich zunichte gemacht worden. Von einer Einbindung der Ladiner in die Entscheidung für die Bildung der neuen Diözese ist keine Rede gewesen. Der damalige Dekan von Anpez Mons. Angel Dapunt hat aus der Presse erfahren müssen, daß sein Dekanat von Brixen abgetrennt worden war und der Diözese Belluno angegliedert worden war. Damit waren die Dolomitenladiner nicht bloß in drei Provinzen aufgesplittert, sondern auch noch in drei Diözesen. Eine solche Situation mußte negative Folgen für den Fortbestand der Volksgruppe haben. Sie hat mit drei verschiedenen Diözesen und Provinzen zu tun, wobei jede Institution die Ladiner anders behandelt. Die Behauptung, daß die Diözesangrenzen mit den Landesgrenzen  übereinstimmen mußten, ist aus der Luft gegriffen. Heute sind noch viele italienische Diözesangrenzen nicht identisch mit den Provinzgrenzen und die Diözese Innsbruck umfasst auch nicht das gesamte Territorium des Landes Tirol. Dekanate im Unterinntal gehören heute noch zur Erzdiözese Salzburg.
 

b. Das  Autonomiestatut von 1972

Nach jahrelangen zähen Verhandlungen zwischen Wien – Rom und Bozen war das 2. Autonomiestatut ausgehandelt worden und im Jahre 1972 in Kraft getreten. Es brachte der ladinischen Bevölkerung Südtirols bedeutende Rechte und zwar:
1.     die Vertretung der Ladiner im Landtag
2.     ein eigenes ladinisches Schulamt mit einem ladinischen Schulamtsleiter
3.     die Lehrer der Grundschule müssen ladinischer Muttersprache sein
4.     die Lehrer der Mittel – und Oberschule müssen doppelsprachig sein; seit 1981 müssen sie auch die Kenntnis der ladinischen Sprache nachweisen
5.     die Förderung der eigenen Kultur und Sprache
6.     die öffentlichen Angestellten müssen zwei bzw. dreisprachig sein
7.     die öffentlichen Stellen werden  nach der Stärke der Volksgruppen vergeben
8.     die Erhaltung der ladinischen Toponomastik
9.     in den Schulen des Fassatales kann Ladinisch unterrichtet werden.
 
Diese Zugeständnisse an die Ladiner Südtirols waren sicherlich dem Einsatz ladinischer Kulturvereine und Politiker zu verdanken. Die Ladiner hatten seit 1948 einen Ladiner im Südtiroler Landtag, Herrn Inj. Vijo Pupp, der von 1956/60 Landeshauptmann von Südtirol gewesen ist. Die ladinische Volksgruppe war infolge der Tätigkeit verschiedener Vereine  auf dem Gebiet der Kultur und Sprache selbtbewußter geworden und die eigene Identität war dadurch gestärkt worden. Auch die beiden anderen Volksgruppen Südtirols hatten gelernt, die ladinische Sprachgruppe mehr zu achten, die ladinische Sprache und Kultur wurde als eine Bereicherung Tirols betrachtet. Die Fassaladiner waren vom Statut arg enttäuscht, auch wenn in ihren Schulen zwar Ladinisch unterrichtet werden konnte, aber das war schon alles. Niemand konnte verstehen, warum die Fassaner im Vergleich zu den Ladinern Südtirols so schlecht behandelt worden waren. Alle sieben Gemeinden verlangten daraufhin – von Bozen dazu ermuntert - den Anschluss des Fassatales an die Provinz Bozen, was der Regionalrat entschieden ablehnte. Darauf gründeten die Fassaner eine ladinische politische Bewegung und erreichten nach jahrelangem Gezerre die Gründung einer eigenen Talgemeinschaft. Im Jahre 1975 wurde das ladinische Kulturinstitut des Fassatales gegründet; im Jahr darauf das lad. Kulturinstitut „ Micurà de Rü“ in San Martin de Tor. Diese beiden Institutionen zusammen mit einigen Kulturvereinen haben seither viele Bücher in ladinischer Sprache herausgebracht. Es handelt sich um Bücher für den Ladinischunterricht, Publikationen über Sprache, Brauchtum, Geschichte, Märchen und Sagen. Gedichtbände, Romane und Novellen bereichern das Angebot ladinischer Literatur. Diese Institutionen förderten die Aufwertung und den Ausbau der ladinischen Sprache für den heutigen Gebrauch in den öffentlichen Ämtern  und gaben einen starken Impuls für ein stärkeres Selbstbewußtsein der Ladiner. 1987 wurde durch Landesgesetz das Ladinische Pädagogische Institut errichtet, welches die Aufgabe hat, den Schulen geeignetes ladinisches Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen.
Seit dem Jahre 1955 gibt es regelmässige Radiosendungen in ladinischer Sprache, ausgestrahlt von der RAI in Bozen. Obwohl ein Gesetz des Jahres 1975 den Ladinern auch Fernsehsendungen in ladinischer Sprache garantierte, sind die ersten diesbezüglichen Sendungen erst im Jahre 1988 ausgestrahlt worden. Von Seiten der ladinischen Kulturvereine war schon seit langem die Forderung erhoben worden, Ladinisch sollte in Südtirol als Amtssprache anerkannt werden; dadurch würde die ladinische Sprache bedeutend aufgewertet und an Ansehen stark zulegen. Die sprachlichen Institutionen wären gefordert und müssten sich für die Sprachpflege, für den Sprachausbau bedeutend mehr einsetzen. Tatsächlich wurde im Jahre 1989 Ladinisch Amtssprache in Südtirol, wenn auch nur in den ladinischen Tälern. Dadurch hat die ladinische Sprache in den Gemeindestuben Eingang gefunden: alles Schriftliche muss seitdem dreisprachig abgefasst werden und die ladinische Sprache selber muss ständig den sprachlichen Gegebenheiten angepasst werden. Im Jahre 1992 ist zwischen Rom und Wien die Streitbeilegungserklärung ausgehandelt worden, obwohl viele Fragen was die ladinische Sprachgruppe betraf noch offen waren. Dies hat ladinische Kulturvereine dazu gebracht,diese Erklärung abzulehnen. Die Unzufriedenheit unter vielen Ladinern Südtirols war auch mit ein  Grund, weshalb im Jahre 1993 die autonome ladinische politische Bewegung – Lista Ladins gegründet worden war, welche von 1993 bis 2003 die Ladiner im Südtiroler Landtag vertreten hat.
 
c. Das 3. Autonomiestatut des Jahres 2001
Etliche noch offene Fragen sind im Laufe der Jahre gelöst worden und haben in diesem dritten Statut ihren Niederschlag gefunden. Auch für die Ladiner sind darin einige Bestimmungen enthalten und zwar:
1.     es besteht die Möglichkeit der externen Berufung eines Ladiners in die Landesregierung, auch in Abweichung der Proporzbestimmungen;
2.     ein Ladiner hat die Möglichkeit zum Vizepräsidenten des Landtages bzw. des Regionalrates gewählt zu werden;
3.     der ladinische Vertreter kann Präsident des Landtages bzw. des Regionalrates werden, falls eine der beiden anderen Volksgruppen auf ihr Anrecht verzichtet.
4.     für die Fassaladiner und die Fersentaler wird ein eigener Wahlkreis geschaffen;
5.     die Fassaladiner haben das Recht, im Landtag von Trient durch einen eigenen Abgeordneten vertreten zu sein;
6.     die Ladiner können vor dem Friedensrichter ihre Muttersprache verwenden.
Sie haben richtig gehört: die Ladiner haben kein Recht, genannte Posten zu bekleiden, sondern es ist nur die Rede von KANN, von einer Möglichkeit. Es hängt also davon ab, welcher Partei der Ladiner im Landtag angehört, ob er diese Stellen besetzen kann. Eine Minderheit braucht Rechte, um sich zu behaupten und darf nicht zum Spielball der Mehrheit degradiert werden.
 

d. Die Ladiner von Anpez und Fodom/Buchenstein

Die Ladiner der Provinz Belluno, die Bewohner von Anpez, Col de S. Lizia und Fodom/Buchenstein haben von den drei Autonomiestatuten gar nichts abbekommen, sondern sind leer ausgegangen und zwar deshalb, weil sie in einer anderen Region leben. Die Region Veneto hat zwar 1983 ein Gesetz zum Schutz der Minderheit verabschiedet, es wird darin aber nur von Beiträgen gesprochen und nicht von Schutzmassnahmen oder Rechten. Diese Gemeinden haben seit 1945 etliche Male den Anschluss an Südtirol gefordert, jedoch vergebens. Leider hat auch das Land Südtirol für diese Ladiner, die bis 1919 zu Österreich gehörten und 1923 gegen ihren Willen von Südtirol abgetrennt worden waren, kaum Engagement gezeigt. In den letzten Jahren haben sich in der Provinz Belluno zusätzlich zu den drei historischen ladinischen Gemeinden nicht weniger als 34 weitere Gemeinden ( es gibt in ihrem Dialekt noch ladinische Reliktwörter ) als ladinische Gemeinden erklärt. Dies geschah im Hinblick auf die Genehmigung eines nationalen Minderheitenschutzgesetzes, welches als Gesetz Nr. 482/1999 bekannt geworden ist. Laut diesem Gesetz können für die Förderung der Sprache und Kultur nicht unwesentliche Finanzmittel aus Rom flüssig gemacht werden. Aufgeteilt auf 37 Gemeinden bleibt aber von den Finanzmitteln für einzelne Gemeinden nicht viel übrig. Dieses Gesetz sieht die Möglichkeit vor, daß provinzübergreifende Minderheiten wie es die ladinische ist, sich zu einem Verband zusammenschliessen und in Rom um finanzielle Beiträge ansuchen können. Dieser Verband wäre die Uniun Generela, die aber von den drei Provinzen als kulturelles Sprachrohr der Dolomitenladiner anerkannt werden müsste und sollte. Bozen sträubt sich gegen die Anerkennung, während Trient diesen Schritt bereits vollzogen hat, Belluno wartet die Haltung Bozens ab. Es ist zu hoffen, daß wenigstens die ladinischen Bürgermeister mit der Uniun Generela eine Plattform gründen und die Möglichkeit ausschöpfen, für kulturelle und sprachliche Erfordernisse und Entwicklungen Ladiniens einen wesentlichen Beitrag leisten und in Rom die dafür vorgesehenen Finanzmittel auftreiben.
 
e. Zusätzliche Forderungen für die Stärkung der Volksgruppe
Reichen die bestehenden Schutzmassnahmen für den Fortbestand der ladinischen Volksgruppe aus ? Meine Antwort ist ein klares NEIN. Sowohl die Ladiner Südtirols als auch die Fassaladiner genießen nur einen mäßigen Schutz, von den Ladinern in der Provinz Belluno gar nicht zu reden. Doch davon weiter unten. Eine ganze Reihe von Massnahmen müßte man noch in Kraft setzen, um den Ladinern eine sicherere Zukunft zu garantieren. Lassen sie mich einige Punkte aufzählen, die auch den Ladinern Südtirols noch fehlen:
1.     der Ladiner im Landtag muß das Recht bekommen, Landesrat zu werden;
2.     für die Ladiner Südtirols sollte ein eigener Wahlkreis geschaffen werden wie es die Fassaladiner bereits haben;
3.     die beiden ladinischen Täler Südtirols sollten eine eigene Talgemeinschaft gründen können wie die Fassaladiner; diese beiden Punkte würden die Ladiner zu einer engeren Zusammenarbeit antreiben;
4.     die Ladiner müssen in allen Landeskommissionen und paritätischen Kommissionen vertreten sein, welche für sie von Bedeutung sind;
5.     für die Ladiner muß es auch möglich sein, in Abweichung der Proporzbestimmungen höhere Stellen zu besetzen;
6.     Teile der Landesverwaltung sollten in den ladinischen Tälern angesiedelt werden, damit  viel mehr ladinische Akademiker  im eigenen Tal Arbeit bekommen und nicht abwandern müssen;
7.     der Ladinischunterricht an den ladinischen Schulen muß bedeutend potenziert werden;
8.     an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät in Brixen sollte Ladinisch sowohl Lehr – als auch Forschungsfach sein;
9.     das Ladinische Pädagogische Institut sollte von Bozen nach Ladinien verlegt werden, um besser mit den Schulen und Lehrern zusammenarbeiten zu können;
10. die neue ladinische einheitliche Schriftsprache - ladin dolomitan -muß stark gefördert werden. Damit wird den Dolomitenladinern ein stärkeres Gefühl der Einheit und der Zusammengehörigkeit vermittelt;
11. die ladinischen Rundfunk – und Fernsehsendezeiten sollten mehr als verdoppelt werden und eine autonome ladinische Redaktion bei der RAI  ist unbedingt erforderlich;
12. der ladinischen Wochenzeitung -  LA USC DI LADINS – muß bedeutend stärker finanziell unter die Arme gegriffen werden, damit die Zeitung mehrmals in der Woche erscheinen kann.
 Das wären nur die allernotwendigsten zusätzlichen Massnahmen, welche das Land zugunsten der ladinischen Volksgruppe beschliessen müßte.
 
f. Die Grundvoraussetzungen für den Fortbestand einer Minderheit
Ich möchte noch kurz die Punkte aufzählen, die laut dem früheren Sekretär der Lia Rumantschia in Coira/ Chur, Berhard Cathomas für die Erhaltung einer Sprachgemeinschaft als notwendige Voraussetzung gelten.
 
1.     Es braucht ein klar abgegrenztes Sprachgebiet; die einzelnen ladinischen Gemeinden sollten per Dekret fixiert werden;
2.     eine solide wirtschaftliche Grundlage ist erforderlich; man kann die Sprache nicht erhalten ohne die Bevölkerung zu erhalten;
3.     die Sprache muss in allen Domänen des Alltags präsent sein ( Familie, Schule, Kirche, Verwaltung);
4.     in allen Schulstufen, besonders in den höheren, muß eine gediegene Ausbildung in der Muttersprache erfolgen;
5.     die Sprache einer Minderheit braucht umfassende Massenmedien ( Zeitung, Rundfunk und Fernsehen), ansonsten wird sie von der Sprache der Mehrheit überflutet und verdrängt;
6.     eine eigene ladinische Nachrichtenagentur wäre erforderlich( die Rätoromanen der Schweiz haben schon seit Jahren eine );
7.     die Sprachminderheit braucht eine umfassende Kultur, die alle Tätigkeiten und Seinsformen erfasst, die den Menschen hier und heute betreffen;
8.     eine Minderheit braucht eine einheitliche Schriftsprache, um gleichzeitig mit mehreren ladinischen Tälern zu kommunizieren, was Arbeit, Geld und Zeit erpart; damit kann der Gebrauch der Sprache in allen wichtigen Domänen ermöglicht werden;
9.     als letzten aber äußerst negativen Punkt muß ich noch hinzufügen: der Ausverkauf der Heimat, der besonders in Fremdenverkehrsgebieten in vollem Gang ist, muss unbedingt gestoppt werden; die Landesregierung und die Gemeinden müssen dagegen etwas unternehmen, damit Ladinien  den Ladinern bleibt. Gerade gestern hieß es im Fernsehen, die Provinz Trient wolle dem einen Riegel vorschieben.
Es braucht diese maßgeblichen und zusätzlichen Schutzbestimmungen zum Wohl der ladinischen Volksgruppe. Gerade für die Stärkung der  Volksgruppe ist es erforderlich, sich bedeutend stärker für die Kultur und für den Ausbau der Sprache einzusetzen; diese beiden sind die Grundpfeiler einer jeden Sprachgruppe. Wir Ladiner verlangen absolut keine Sonderbehandlung, wohl aber die gleiche Behandlung wie es die deutsche Volksgruppe erlangt hat.
 
Aufruf zur Wiedervereinigung Ladiniens
Wir Ladiner erwarten von Seiten der Südtiroler Landesregierung bzw. von der SVP einen viel stärkeren Einsatz für einen besseren Schutz aller Ladiner. Man kritisiert mit Recht die noch bestehenden faschistischen Denkmäler in Südtirol, aber das an den Dolomitenladinern begangene Unrecht – nämlich die Zerreissung Ladiniens in drei Teile – wird im Landhaus in Bozen kaum einmal erwähnt. Die SVP, die sich ja eine Partei der Minderheiten nennt, müsste sich energisch gegen das den Dolomitenladinern zugefügte Unrecht wehren und konkrete Schritte unternehmen, um den anderen Ladinern den Wiederanschluss an Südtirol zu erleichtern. In der Politik ist nichts unmöglich und die Wiedervereinigung aller Dolomitenladiner ist keine Utopie, sondern kann verwirklicht werden, falls der politische Wille vorhanden ist. ( Nehmen wir das Beispiel Deutschland). Landeshauptmann Durnwalder hat schon mehrmals gesagt: die Ladiner der Provinz Beluno sind in Bozen herzlich willkommen. Auch anlässlich des Referendums der Gemeinde Lamon in der Provinz Belluno hat Durnwalder erklärt: sie ist herzlich willkommen.
Ich möchte hier ganz besonders an die ladinischen Bürgermeister appellieren, das Schicksal der Dolomitenladiner in die Hand zu nehmen und alles daranzusetzen, die Wiedervereinigung Ladinien voranzutreiben. Eine gewisse Entfremdung unter den Ladinern ist in dieser langen Zeit sicherlich aufgekommen. Es braucht deshalb Aufklärung und Verständnis für die Anliegen unserer Brüder, die seit über 80 Jahren von Südtirol abgetrennt sind. Es geht hier um nichts Geringeres als um das Überleben der gesamten Volksgruppe in den fünf ladinischen Tälern rings um die Selagruppe. Es darf daher keine Mühe zu groß sein, sich für ihren Schutz einzusetzen und der beste Schutz wäre die Wiedervereinigung. Die Bürgermeister sind verantwortlich für das Überleben der gesamten Sprachgruppe; es wäre fatal und unverantwortlich, wenn sie nur das Los der Ladiner ihres Tales im Auge hätten. Die Dolomitenladiner sind eine einzige Familie. Man kann die getrennten Ladiner nicht ihrem Schicksal überlassen. Es geht um die Rettung einer über tausend Jahre alten Volksgruppe, welche stets zu Tirol gestanden ist. 
.                           
Abschliessend möchte ich an alle Tirolerinnen und Tiroler dies und jenseits des Brenners appellieren, sich über die Lage der Dolomitenladiner stets gut zu informierern, für den Schutz aller Ladiner bei den zuständigen Stellen einzutreten und vorzusprechen, damit für Gesamtladinien die beste Lösung gefunden wird. Die faschistische Unrechtsgrenze, welche die Ladiner seit über 80 Jahren dreiteilt, muß gelöscht werden, die  Aufsplitterung Ladiniens in drei Provinzen muß ein Ende haben. Nur wenn die Ladiner wieder alle zu Tirol zurückkehren können – bis 1919 gehörten alle Ladiner zu Tirol -  haben sie eine reelle Change zum Überleben. Halbherzige Lösungen können wir nicht brauchen. Ich bin mir sicher, daß oftmalige Stellungnahmen für einen Anschluß aller Ladiner an Südtirol von Seiten der Politiker dies und jenseits des Brenners, aber auch von Wien aus etwas in Bewegung brächte. Nicht unwesentlich dazu beitragen könnten auch Berichte darüber in den Massenmedien, damit mehr Verständnis für die Probleme Ladiniens erzielt würde. Eine zerrissene Familie kann nicht bestehen! Alle Ladiner sind Brüder und Schwestern, egal in welcher Provinz sie leben; sie gehören zusammen, denn nur unter einem Dach könnten sie fortbestehen. Ich denke, daß Tirol mithelfen will, die älteste Volksgruppe des Landes zu erhalten, ihr die Zukunft zu sichern. Dafür haben sie den aufrichtigen Dank aller Dolomitenladiner. An die Politiker Südtirols möchte ich appellieren, die Probleme aller Dolomitenladiner nicht länger zu ignorieren, sondern sie aufzugreifen und das den Ladinern zugefügte Unrecht endlich ernstzunehmen und die notwendigen Schritte einzuleiten, es zu beseitigen. Ich bin überzeugt, daß die Tiroler Ladiner der Provinz Belluno nach Südtirol zurückkehren möchten, aber auch Bozen muß seinen Anteil leisten. Wie ernst die Lage ist wird vielfach verkannt. Solange Ladinien dreigeteilt ist, kann von einer befriedigenden Lösung des Problems Südtirol nicht die Rede sein, denn Gesamtladinien gehört zu Tirol, war immer ein Teil Tirols. Wir Ladiner,  kein aufrechter Tiroler kann heute trotz der guten wirtschaftlichen Lage Südtirols zufrieden sein, solange das den Ladinern zugefügte Unrecht – nämlich die Zerreißung des Landes in drei Teile – nicht aus der Welt geschaffen ist. Ich ersuche alle Tirolerinnen und Tiroler um ihren Einsatz und ihre Mithilfe bei der Beseitigung dieses Unrechtes an den Dolomitenladinern.
 
Ich danke für ihre Aufmerksamkeit !              
                                                              Dr. Lois Trebo
Desproch/Innsbruck 10. November 2005
 
 

 
 Referat dl dr. Lois Trebo en gaujion di 100 agn Union Ladina
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Re: Referat dl dr. Lois Trebo en gaujion di 100 agn Union Ladina (ponc: 1)
da giatfosch ai 13 November 2005 da les 10:24:23
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